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Technologie28. April 20267 Min

RAG oder Fine-Tuning? Die richtige Entscheidung für Unternehmens-KI

RAG und Fine-Tuning werden ständig verwechselt — und falsch eingesetzt. Hier die saubere Trennung: was sie können, was sie kosten und wann welches Verfahren das richtige ist.

Was RAG kann — und was nicht

RAG (Retrieval-Augmented Generation) gibt einem LLM zur Antwortzeit relevante Dokumente als Kontext mit. Stärke: Aktualität, Quellen-Zitierbarkeit, einfache Wartung (neue Inhalte = neue Embeddings, kein Retraining).

Schwäche: RAG ändert nicht den Stil oder die Format-Treue eines Modells. Wenn das Modell unzuverlässig JSON liefert oder im falschen Tonfall antwortet, hilft RAG nicht.

Was Fine-Tuning kann — und was nicht

Fine-Tuning verändert die Gewichte (oder einen LoRA-Adapter) eines Modells anhand eigener Beispiele. Stärke: konsistenter Stil, hohe Format-Treue, Latenz-Optimierung bei kleinen Modellen, Domänen-spezifische Klassifikation.

Schwäche: Fine-Tuning vermittelt schlecht Faktenwissen. Was nach dem Training dazu kommt, weiß das Modell nicht. Für Wissens-Vermittlung ist RAG fast immer überlegen — und billiger.

Entscheidungsmatrix

Die Faustregel:

  • Wissen, das sich häufig ändert → RAG
  • Konsistenter Output-Stil oder striktes Format → Fine-Tuning
  • Domänen-Vokabular, das das Basismodell nicht kennt → Fine-Tuning + RAG
  • Klassifikation großer Volumen mit Kostenfokus → Fine-Tuning eines kleinen Modells
  • Q&A über Dokumente, Handbücher, Tickets → RAG (immer)

Kosten-Realismus

Eine RAG-Implementierung kostet 15–40k € Setup, Fine-Tuning eines Open-Source-Modells 8–25k €. Aber: Fine-Tuning braucht meist 500–5.000 hochwertige Trainingsbeispiele — die zu erstellen ist oft der eigentliche Aufwand.

Empfehlung für die meisten Mittelständler: Mit RAG starten, nach 3–6 Monaten Produktivbetrieb auf Basis echter Logs entscheiden, ob Fine-Tuning den nächsten Qualitätssprung bringt.

Kernbotschaften

  • RAG ist für Wissen, Fine-Tuning ist für Stil und Format.
  • Für 80% der Use-Cases ist RAG die richtige erste Wahl.
  • Hybrid (RAG + Fine-Tuning) lohnt erst nach Produktiv-Erfahrung.
  • Trainingsdaten-Erstellung ist beim Fine-Tuning oft teurer als das Training selbst.
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